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EIKON #103 (September 2018)
15,00 EUR
incl. 10 % UST exkl.

EIKON #103 (September 2018)

Im Zeitalter des allgegenwärtigen Bewegtbildes – vom im Internet kursierenden YouTube-Tutorial über das animierte GIF bis hin zum selbstgemachten Videoclip, die allesamt dank der einfach zu bedienenden Software heute jeder Teenager mit seinem Smartphone erstellen kann – haftet der Beschäftigung mit einem so klassischen Genre wie dem Stillleben etwas Anachronistisches an. Dennoch scheint gerade die Übersättigung mit den erstgenannten, sich viral verbreitenden moving images die Sehnsucht vieler Künstlerinnen und Künstler der jüngeren Generation nach dieser Gattung zu beflügeln, vielleicht eben weil sie gerade statisch, nicht variabel und darum ihrer Erscheinungsform nach irgendwie endgültig ist. Möglicherweise ist es auch der entschleunigte Entstehungsprozess, der Kunstschaffende zu diesem Rückgriff animiert, denn das vor der Kamera Arrangierte ist geduldig, jedenfalls verglichen mit so manch anderen ProtagonistInnen lebendiger Gestalt. Zudem ist es „sicher kein Zufall, dass das Stillleben in einem Moment wieder vermehrt auftaucht, da unsere Bildkulturen im Umbruch sind und fotografische Bilder beginnen, die Sprache zu ersetzen“ (vgl. S. 56).


Die Beobachtung, dass eine sich in der Malerei vor 400 Jahren etablierende Tradition trotz der Konkurrenz all der genannten, weit mehr Möglichkeiten bietenden Medien gerade heute in der Fotografie wieder besonders gefragt ist, war Anlass für die Konzeption der aktuellen Ausstellung „Stillleben. Eigensinn der Dinge“ im Kunst Haus Wien (13.9.2018 bis 17.2.2019). Mit dem Fokus in der vorliegenden Heftausgabe lässt die Kuratorin der Schau, Maren Lübbke-Tidow, an ihren Überlegungen zur Bedeutsamkeit dieses gerade für das fotografische Medium so wichtigen Genres teilhaben und streicht dabei anhand einer exemplarischen Auswahl zeitgenössischer Positionen die Bandbreite der verhandelten Forschungsfelder und -ergebnisse hervor.

„Mit dem Stillleben verlangsamt sich das Sehen: Seine Bildräume entfalten Präsenz“, so eine der Schlussfolgerungen der Autorin. Wir wünschen Ihnen als LeserInnen somit die ausreichende Muße, die Kompositionen in ihrer Vieldeutigkeit zu erfahren.


Nela Eggenberger
für EIKON, September 2018


15,00 EUR
incl. 10 % UST exkl.